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"Las Canciones in der Petrikirche"

In den Seelen tobt Widerstreit

Ein leises Zittern und Flirren in den Celli beginnt, den Raum zu füllen. Plötzlich kommt Bewegung in das rosa leuchtende Zelt inmitten der Petrikirche: Die vier Frauen darin werden lebendig, erheben ihre Stimmen.

Das Festival Theaterzwang führte am Donnerstag abend vier Cellisten und ebenso viele Sopranistinnen vom MusikTheater Köln in die Petrikirche. Und knapp 100 Zuhörer, die den mystischen Klängen lauschen.

"Las Canciones" heißt das Gedicht des Karmelitermönchs Johannes vom Kreuz, das die Kölner musikalisch und pantomimisch umsetzen (Inszenierung: Ursula Albrecht). Der spanische Mystiker verfasste es zum größten Teil 1578 im Gefängnis von Toledo.

Eingesperrt sind auch die vier Sopranistinnen in dem immer heller strahlenden Zelt. Sie erzählen von der Liebe der menschlichen Seele zu Gott, sind gefangen in einem durchsichtigen Käfig aus ihren eigenen Gefühlen. Ihr Gesang und die streckenweise eintönige Choreographie leben von Kontrasten. Auf ruhiges Verharren folgt jubelnder Liebestaumel. Die vier Frauen stehen isoliert, verwundet, starr. Sie warten. Dann finden sie sich, fassen sich zum Reigen an den Händen. Und werden sofort wieder auseinander gerissen.

Auch mehrere Bögen der Cellisten reißen, so heftig tobt der von Christoph Maria Wagner souverän geleitete Widerstreit der Seele, den Komponist Andreas Daams in hochemotionale Musik umgesetzt hat.

Engelsgleicher Gesang

Ein ums andere Mal schlagen die Saiten schnarrend gegen das Holz. Die dumpfen Pizzicato-Passagen kontrastieren mit dem engelsgleichen Gesang der wohlgebildeten Stimmen. Besonders Eun-Young Lee singt einen fabelhaften Koloratursopran.

Weniger erfreulich steht es um die Textverständlichkeil Die Sprache von Johannes vom Kreuz geht im Gewaber unter. Nur dann und wann dringen einzelne Satzfetzen durch das Stoffzelt.

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