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Zur Verleihung des Satire-Förderpreis "Der Pfefferbeisser" 2002

Begründung der Jury-Entscheidung

 

Im Chor der akkreditierten Minderheiten haben wir die Stimme bekennender "Vaterdienstverweigerer" bislang schmerzlich vermißt. Während muntere Freizeit-Flagellanten oder Möchtegern-Masochisten die Talk-Shows mit ihren Coming-out-Orgien beliefern, duckt das verschüchterte Grüppchen der Fortpflanzungsgegner sich immer noch unter dem Bannstrahl sozialer Ächtung in dunklen Nischen zusammen.

Daß dieser skandalöse Zustand jetzt ein Ende hat, verdanken wir Andreas Daams. In seiner Verhütungs-Hymne "Das Baby" schildert er, wie ein bügelnder Bus-Besitzer den Befruchtungswünschen der Gattin zu widerstehen versucht und bei der Gelegenheit gleich noch die systemstabilisierende Funktion von Schwiegermüttern in der Konsumgesellschaft analysiert.

So verbindet der Autor in diesem Zeugungsverweigerungs-Pamphlet den Tabubruch mit der Sozialkritik zu einer fundamentalphilosophischen Seifenoper aus der verwalteten Welt. Das Ergebnis mag für manche eine bittere Pille sein, aber wem die ewige Spirale von Geburt und Tod schon lange auf den Wecker geht, der wird erkennen, daß dieser Text geeignet ist, Schlimmeres zu verhüten. Und darum bekommt Andreas Daams einen Pfefferbeißer-Preis 2002.
 

ALEXANDER ALTMANN

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